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Im fremden Trikot

Erstellt von Silke Meyer, ON-Digital vom 29.11.2017 | |   1. Herren

Langjähriger OHV-Spieler Jannes Hertlein tritt am Sonnabend mit dem Leichlinger TV gegen seine ehemaligen Teamkollegen an

Aurich. Er tritt in seinem langjährigen sportlichen Zuhause an und bestreitet ein Auswärtsspiel. Jannes Hertlein ist am Sonnabend in der Auricher Sparkassen-Arena in einer ungewohnten Rolle. Der 24-Jährige läuft dort in der 3. Handball-Liga mit der Mannschaft des Leichlinger TV gegen den OHV Aurich auf. Und spielt damit gegen seine ehemaligen Teamkollegen. „Das ist jetzt schon ein komisches Gefühl“, sagt Hertlein bereits Tage vor dem Aufeinandertreffen. 

Es ist das erste Mal in der Handball-Laufbahn des Emders, dass er für eine andere Mannschaft als den OHV spielt. Und in der kommenden Saison kehrt er ja auch wieder ins Auricher Team zurück, wenn alles nach Plan läuft. Das ist vertraglich bereits vereinbart. Dann hat er drei Semester seines Masterstudiengangs in Elektro- und Informationstechnik an der Hochschule in Düsseldorf absolviert und möchte anschließend auf jeden 

Fall wieder zurück in die Heimat. 

Aber dazwischen liegt noch dieser kribbelige sportliche Vergleich. „Es ist alles genau anders herum als sonst“, sagt Hertlein. 

Das fängt schon damit an, dass er in der Arena von gewohnten Wegen abweichen muss, um nicht in der Kabine des OHV zu landen. Und setzt sich fort mit dem Einlaufen der Teams. Die Gastmannschaft, mit ihm, ist als erste dran. Auf der Anzeigetafel muss Hertlein seine Blicke nicht, wie bisher, auf die Zahlen links des Doppelpunkts richten, sondern rechts davon. Bleibt noch die Atmosphäre. „Die Zuschauer werden nicht für die Mannschaft klatschen, in der ich spiele“, sagt Hertlein. 

Geblieben sind die Positionen, die der 2,06-Meter-Mann auch in seinem jetzigen Team einnimmt: Abwehr-Mitte und Kreisläufer im Angriff. Und doch ist Leichlingen eine andere Handball-Welt. 

Mal abgesehen davon, dass die Leichlinger als Tabellenfünfter sportlich deutlich besser dastehen als die Auricher. „Hier ist alles etwas ruhiger“, sagt Hertlein. Zu den Heimspielen kommen an die 300 Zuschauer. 

Dreimal die Woche wird trainiert. Und damit weniger als beim OHV. Zum Training fährt Hertlein von seinem Wohnort Düsseldorf mit dem Auto ins rund 25 Kilometer entfernte Leichlingen. 

Dass er für Fahrten zu Auswärtsspielen in den Bus steigen muss, so, wie beim OHV, ist in Leichlingen die Ausnahme. Die Male kann er an den Fingern einer Hand abzählen. Dafür sind die meisten Mannschaften in der Weststaffel geografisch zu dicht gedrängt, als dass zu den Spielen ein Bus eingesetzt werden müsste. 

Derbycharakter kommt deswegen aber trotzdem nicht oft auf. So sind die Leichlinger zum Beispiel am Freitag bei den Bergischen Panthern angetreten. Bei einer Mannschaft gleich um die Ecke. „Gefühlt war das aber ein ganz normales Spiel“, sagt Hertlein. 

Was er von der Begegnung am kommenden Sonnabend nicht behaupten kann. Die Entwicklung des OHV hat er in dieser Saison natürlich verfolgt: „Die Auricher sind echt gut gestartet, inzwischen aber auch vom Pech verfolgt. Aber sie kämpfen nach wie vor bis zum Umfallen.“ 

Ab und an, wenn es die Zeit ermöglicht, hat er Kontakt zu seinen ehemaligen Auricher Teamkollegen. Aber nur einmal hat er es in dieser Saison bisher geschafft, ein Heimspiel des OHV zu besuchen. Zu eng gesteckt ist bei der räumlichen Entfernung sein Terminkalender. In dieser Woche herrscht allerdings ohnehin Funkstille. 

Ein bisschen freut sich Hertlein aber auch auf die Rückkehr, weil er dann viele bekannte Gesichter treffen wird. Noch mehr aber freut sich Hertlein, wenn er im Sommer wieder auf Dauer zurückkommen kann. Er spielt zwar gerne in Leichlingen: „Alle hier sind super nett. Und es macht auch Spaß.“ Aber Ostfriesland sei nun mal sein Zuhause. 

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In der vergangenen Saison setzte sich Jannes Hertlein noch für den OHV ein. Am Sonnabend tritt er in der Auricher Sparkassen-Arena mit der Mannschaft des Leichlinger TV gegen seine ehemaligen Teamkollegen an. Foto: Wolfenberg