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Mit Taktik und Getöse

Erstellt von Silke Meyer, ON-Digital vom 13.05.2019 | |   1. Herren

OHV dreht in letzten Minuten mit einer offensiven Abwehr und unterstützt von mehr als 2000 Fans unglaubliches Spiel und gewinnt

Aurich. Es war einfach unglaublich, dieses erste Aufstiegsspiel des OHV Aurich zur 3. Liga: Das Beste hatten sich Mannschaft und Fans für die letzten vier Minuten aufgehoben. Da drehten die Auricher Spieler, ohrenbetäubend unterstützt von mehr als 2000 Fans, einen Rückstand in einen 25:24-Sieg gegen LiT Tribe Germania. 

Es war eine Rekordkulisse. So viele Fans hat die Sparkassen-Arena selbst zu stärksten Drittligazeiten des OHV nicht gesehen. „Die Stimmung war der Wahnsinn. Eine supergeile Unterstützung“, sagte OHV-Trainer Arek Blacha. „Riesenkompliment für die tolle Kulisse“, sagte auch LiT-Trainer Daniel Gerling. Die Arena war bereits weit vor Spielbeginn proppenvoll. Mit Klatschpappen stimmten sich die Fans schon da, im Takt der Musik, lautstark ein. 

Die Auricher Mannschaft traf auf einen Gegner von einem Format, mit dem sie es in der Oberliga bisher nicht zu tun gehabt hatte. „Da prallen die besten Teams der Oberligen aufeinander“, kam das für OHV-Kapitän Sven Seidler nicht unerwartet. Blacha hatte nicht übertrieben, als er im Vorfeld von einem Brocken gesprochen hatte. 

Der ging robust zur Sache. OHV-Spieler Jannes Hertlein musste in der 16. Minute bereits ein neues Trikot überziehen, da das erste eingerissen war und in der 40. Minute ein zweites Mal wechseln. Die Mindener hatten mit Evars Klesniks und Piotr Grabarczyk zwei bundesligaerfahrene Riesen in der Abwehrmitte und machten im Angriff gewaltig Dampf. 

Am Ende aber ging ihre Marschroute nicht erfolgreich zu Ende, weil Blacha in die taktische Trickkiste griff und seine Abwehr auf eine offensive Variante umstellte. Die Fans, die es schon weit vor Ende nicht mehr auf den Sitzen hielt, taten ein übriges dazu, erhöhten noch einmal die Phonstärke und puschten die Auricher in einem Hexenkessel zum lange Zeit nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg. 

„Mit der Umstellung auf das offensive System haben wir ein bisschen den Faden verloren“, sagte LiT-Trainer Gerling. Das war für ihn ausschlaggebend dafür, dass der OHV mit einem Tor gewonnen hatte. „Hinten heraus auch verdient gewonnen hat“, so Gerling. 

Ein dickes Kompliment machte Blacha seiner Mannschaft für die Aufholjagd. Die hatte von der 25. bis zur 57. Minute nie geführt, meist zurückgelegen. In der zweiten Halbzeit oftmals mit bis zu drei Toren. 

Und dann waren da noch diese Nackenschläge. In der 36. Minute verdrehte sich Paul Jordan ohne gegnerische Einwirkung sein ohnehin schon lädiertes Knie. Es war für ihn das Aus in diesem Spiel. 

In der 50. Minute erwischte es Wilke de Buhr, der in der Rückwärtsbewegung mit dem Fuß umknickte. Auch er konnte nicht weiterspielen. 

Der OHV lag zu dem Zeitpunkt 19:21 zurück. Kurz darauf, nach einem verwandelten Siebenmeter, 19:22. „Wir haben das Spiel über weite Strecken dominiert“, so Gerling. 

„Die Mannschaft hat es am Ende gerissen“, sagte OHV-Kapitän Sven Seidler. Nach den Ausfällen von Jordan und de Buhr sei jeder über sich hinausgewachsen. 

Jonas Schweigart mit einem verwandelten Siebenmeter zum 20:22 und Oliver Staszewski mit seinem Tor zum 21:22 leiteten die Schlussoffensive ein. 

„Die offensive Abwehr hatten wir uns bis zum Schluss aufgehoben“, so Seidler. Die Mindener zeigten Nerven. Als Jannik Oevermann in der 55. Minute einen Siebenmeter neben das Tor setzte, der das 24:22 für die Gäste bedeutet hätte, die Auricher stattdessen frech mit einem spektakulären Kempator zum 23:23 ausglichen, da bebte die Halle. Auf Zuspiel von Schweigart war Oliver Staszewski erfolgreich. Die Auricher schienen jetzt wie im Rausch. 

Als Edgars Kuksa im OHV-Tor die erneute Führung der Gäste verhinderte, der einen Ball des wurfstarken Jannik Borcherding parierte, kamen im Angriff die Minuten von Christoph Groß. Er zog einfach mal von der rechten Rückraumseite ab. 24:23 

für den OHV. Zweieinhalb Minuten waren noch zu spielen. 

Die Mindener glichen durch ihren Kreisläufer Stefan Möhle, der frei zum Zuge kam, zum 24:24 aus. 75 Sekunden vor Schluss nahm sich Groß dann selbstbewusst noch einen Wurf und war aus dem Rückraum zum 25:24 erfolgreich. Es sollte das Siegtor gewesen sein. 

So unglaublich das Spiel aus Sicht des OHV endete, so kurios hatte es begonnen. Bereits nach 80 Sekunden hatte der Mindener Stefan Möhle eine Zeitstrafe kassiert. Die Mindener nahmen deshalb ihren Torwart aus dem Spiel und brachten dafür im Angriff einen sechsten Feldspieler. Der Torwurfversuch aber prallte mit einer derartigen Wucht am Arm von OHV-Defensivspieler Jannes Hertlein ab, dass der Ball anschließend über das Feld ins leere Mindener Tor kullerte. 1:0 für den OHV. 

„Insgesamt haben wir das in der ersten Halbzeit aber sonst sehr gut gemacht“, sagte LiT-Spieler Kim-Patrick Kliver. Diese offensive Abwehr aber zum Schluss, die habe ihnen nicht geschmeckt. 

Mit dem Sieg des OHV ist in Sachen Aufstieg aber nichts klar. „Darüber wird am Sonnabend entschieden“, sagte Gerling. Dann ist das Rückspiel in Nordhemmern. „Wir können mit der Ausgangssituation zufrieden sein“, sagte Kliver. „Alles ist offen“, sagte Blacha. Eins gab er den Mindener aber noch mit auf den Weg: „Auch wir haben uns von der Kulisse beeindrucken lassen und noch nicht alles gezeigt, was wir können.“ 

OHV Aurich gewinnt erstes Aufstiegsspiel 

 

 

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Die Auricher (mit Ball Jannes Hertlein) bekamen es mit einer robusten Mindener Abwehr (rechts Evars Klesniks) zu tun. Fotos: Wolfenberg
Die Fans verwandelten die Sparkassen-Arena in einen Hexenkessel.
Für die Schlussphase steckte die Mannschaft des OHV noch einmal die Köpfe zusammen.
OHV-Torwart Edgars Kuksa bedankte sich bei den Fans.