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Derby in Aurich war Werbung für den Handball

Erstellt von Ostfriesische Nachrichten: Silke Meyer | |   1. Herren

Das Derby in der 3. Liga zwischen dem OHV Aurich und dem Wilhelmshavener HV am Mittwoch hatte alles, was den Sport ausmacht: eine Riesenkulisse, ein packendes Spiel und einen herausragenden Torwart.

Aurich. Das war ganz großes Handball-Kino: Mit stehenden Ovationen haben die Auricher Fans in der proppevollen Sparkassen-Arena am Mittwochabend die Spieler des OHV Aurich gefeiert. Die hatten zwar gegen den Wilhelmshavener HV, den souveränen Tabellenführer der 3. Liga, verloren. Aber nur knapp mit 26:28 Toren. Sie hatten den Favoriten am Rand zumindest eines Punktverlustes. Vor allem die zweite Halbzeit war Derby pur, sowohl auf den Zuschauerrängen als auch auf dem Spielfeld.

Für eine euphorisierende Atmosphäre hatten bereits die Fahnenträger der beiden Mannschaften gesorgt, als der Ball noch gar nicht gespielt war. Michael Meyer für den OHV schwang zunächst die Fahne „seiner“ Mannschaft, die er dann mit dem tauschte, der sie für die Wilhelmshavener schwenkte. Auf den Auftakt reagierten die Fans auf den Rängen begeistert mit Applaus. Die verteilten Klatschpappen taten ein übriges dazu, dass das Stimmungsbarometer schnell stieg. Und letztlich sorgten die Spieler des OHV Aurich mit ihrer Leistung vor allem in der zweiten Halbzeit dafür, dass die Arena Kopf stand. Schon in der ersten hatten sie sich vor allem in der Defensive richtig klasse präsentiert, auch wenn sie mit einem Fünf-Tore-Rückstand in die Pause gingen.

 

OHV legt nach Viertelstunde Respekt ab

 

 Noch besser aber war die Abwehr der Wilhelmshavener, die dem OHV zumindest anfangs den Schneid abkaufte. Beweglich, verdammt schnell auf den Beinen oder sich als Riese vor den Aurichern aufbauend gab es für die nur schwer ein Durchkommen – weder über den Kreisläufer noch aus dem Rückraum. Die Wilhelmshavener machten im Stile eines Tabellenführers schnellen Prozess. Für den OHV wurde aus dem 5:6 (11. Minute) ein 5:10 (15.). „Wir waren zunächst ein bisschen schüchtern, haben zu viel Respekt gezeigt und mit angezogener Handbremse gespielt“, sagte OHV-Trainer Arek Blacha.

Der Rückstand schien für die Auricher aber auch etwas Befreiendes zu haben. Denn bis zur Halbzeit ließen sie den Favoriten zunächst mal nicht weiter davonziehen. Für WHV-Trainer Christian Köhrmann war bis zu dem Zeitpunkt alles im grünen Bereich. Nach sieben Minuten habe sich seine Mannschaft an die Vorgaben gehalten, kaum noch Anspiele an den Kreis zugelassen: „Die erste Halbzeit hat mir in allen Bereichen gut gefallen.“

 

Auricher Torwart leitet Aufholjagd ein

 

Was dann folgte, war aus Sicht des OHV ein Bravourstück an Einsatz, gepaart mit spielerischer Klasse, in dem Frederick Lüpke eine tragende Rolle spielte. Der Torwart, der in der vergangenen Saison noch für den WHV gespielt hat, toppte seine Bestnoten aus der ersten Halbzeit, entschärfte reihenweise die Würfe der Wilhelmshavener. „Da hat alles ineinandergespielt, die Kulisse, die Mannschaft hat sich in einen Rausch gespielt“, sagte Lüpke. Lediglich drei Tore ließen die Auricher von der 30. bis 45. Minute zu. Und das gegen einen Tabellenführer. „Die Abwehr insgesamt war hervorragend, der Einsatz super“, so Blacha.

 

Mehr noch – seine Mannschaft brachte den Favoriten richtig in Verlegenheit. Denn über ihre grandiose Abwehr fassten die Auricher auch Fuß im Angriff, in dem Kevin Wendlandt zur Hochform auflief. Er bereitete mit Auge und Geschick so manches Tor vor und war zudem selbst noch dreimal erfolgreich. „Er hat ein Riesenspiel gemacht“, sagte auch Köhrmann, der bereits in der 41. Minute auf die Aufholjagd der Auricher mit einer Auszeit reagiert hatte, nachdem Wendlandt den Rückstand auf zwei Tore (15:17) verkürzt hatte. „Wir haben in der Abwehr völlig den Faden verloren, sind zu weit rausgetreten und haben durch die Aktionen im Angriff und die Stimmung den Kopf verloren“, so der WHV-Trainer. „Wir haben es geschafft, keine einfachen Tore zuzulassen“, sagte Lüpke.

 

OHV-Trainer stolz auf seine Mannschaft

 

In der 45. Minute, als Wilke de Buhr zum 17:18 getroffen hatte, war es erstmals nur noch ein Treffer. Die Arena kochte und auch die Spieler waren voller Adrenalin. Beim Versuch, Tim Rozman im Gegenzug am Torwurf zu hindern, handelte sich Jannes Hertlein die Rote Karte ein. Ein aufgebrachter Stanko Sabljic mischte sich ein und wurde von den souveränen, mit Headset agierenden jungen Schiedsrichtern Leonard Bona und Malte Frank, die zum DHB-Nachwuchskader gehören, mit einer Zeitstrafe auf die Bank geschickt. Es blieb die einzige hitzige Szene während des Spiels in einem packend-fairen Derby. Auch ohne Hertlein, der allerdings als personelle Alternative fehlte, drehten die Auricher ihren Handball-Krimi weiter, steckten nie auf, blieben bis kurz vor Schluss auf ein Tor dran. Nur der Ausgleich, der wollte, bei allem Bemühen, nicht gelingen.

 

Die Wilhelmshavener hielten dem Druck stand. Das war es dann auch, was Köhrmann an Positivem für sich mit aus der zweiten Halbzeit nahm: „Wir haben die Situation gut gelöst, in die wir nicht hätten kommen sollen. Grundsätzlich dürfen wir uns nicht so verunsichern lassen.“ Kuno Schauer machte 15 Sekunden vor Schluss mit seinem Tor zum 28:26 den Sieg der Wilhelmshavener perfekt.

 

Auf Seiten der Auricher war die Enttäuschung im ersten Moment zwar groß. „Cleverness und individuelle Klasse haben den Ausschlag gegeben“, so Lüpke. Blacha machte seiner Mannschaft aber ein großes Kompliment: „Auf solch eine Leistung, wie wir sie gegen Wilhelmshaven gezeigt haben, kann man nur stolz sein. Das war Werbung für den Handball.“

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Mit seinen Paraden leitete OHV-Torwart Frederick Lüpke die Aufholjagd der Auricher gegen den Wilhelmshavener HV ein. Fotos: Wolfenberg
Die Fans des OHV hielt es in der zweiten Halbzeit nicht mehr auf den Sitzen. Sie fieberten mit ihrer Mannschaft.
Mit dem Fahnentausch entfachten die Fan-Vertreter beider Teams (im schwarzen Trikot Michael Meyer für den OHV) vor Spielbeginn eine erste Euphorie.