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Für den OHV Aurich ist die Saison zu Ende

Erstellt von Ostfriesische Nachrichten: Silke Meyer | |   1. Herren

Der Deutsche Handballverband hat aufgrund der Corona-Krise den Saisonabbruch beschlossen. Die Drittliga-Handballer des OHV Aurich haben zwar in einem Punkt Klarheit – aber es bleiben viele Fragen.

Aurich. Jetzt ist also Gewissheit, was sich bereits seit Tagen angedeutet hat: Für die Drittliga-Handballer des OHV Aurich gibt es in dieser Saison kein Weiter mehr. Präsidium und Vorstand des Deutschen Handballbundes haben am Dienstagvormittag infolge der Corona-Pandemie entschieden, die Spielserie zu beenden. Der Handballverband Niedersachsen hatte bereits am 8. April für die Mannschaften ab der Oberliga abwärts beschlossen, die Saison nicht fortzusetzen.

 

„Das ist schade und eine traurige Geschichte, die allerdings zu erwarten war“, sagt OHV-Trainer Arek Blacha. Er zeigt aber Verständnis: „Die, die das zu entscheiden haben, tragen Verantwortung für Menschenleben.“

 

Abbruch ist der richtige Schritt

 

„Unsere Vereine der 3. Liga haben an ihren Standorten keine Möglichkeit, den Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen und können in der Folge auch keine Spiele austragen“, sagt Mark Schober, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Handballbundes. Die Saison in der 3. Liga abzubrechen, sei aufgrund der Corona-Pandemie und mit Blick auf die weiter dringend erforderliche Reduzierung der Zahl neuer Infektionen eine notwendige und richtige Entscheidung. „Leicht gefallen ist uns dieser Schritt nicht. Aber angesichts der Corona-Pandemie und der gesundheitlichen Risiken haben Vernunft und Verantwortung unser Handball-Herz überstimmt“, so Schober. Er appelliert: „Wir müssen jetzt alle miteinander daran arbeiten, dem Handballsport nach der Corona-Pandemie einen erfolgreichen Neustart zu ermöglichen.“ Sobald es wieder möglich ist, in irgendeiner Form zu trainieren, ist Blacha der Erste, der seine Spieler dazu holt: „Ich warte nur auf grünes Licht.“ Wann das leuchtet, ist so offen wie vieles andere auch. Wann kann die Saison beginnen? Blacha hofft, wenigstens individuell oder in kleinen Gruppen zumindest schon mal wieder draußen trainieren zu können: „Damit wir zumindest die Grundlagen der Ausdauer hinter uns haben, wenn wir wieder richtig loslegen können.“

Mit dem Kopf ist Blacha immer noch bei der Sache Handball. Er schaut sich Spiele seiner Mannschaft aus dieser Saison an. „Es ist schon ein komisches Gefühl, aber auch sehr emotional“, so Blacha. Kontakt zu seinen Spielern besteht über die WhatsApp-Gruppe oder auch telefonisch. Lutz Günsel, zusammen mit Jörg Schmeding Geschäftsführer des wirtschaftlichen Trägers der Mannschaft, der Ostfriesland Handball Sportmarketing GmbH, kann mit der getroffenen Entscheidung Saisonabbruch gut leben. „Ich bin ganz froh darüber, dass der Spielbetrieb nicht fortgesetzt wird“, so Günsel. Denn alles andere hätte definitiv bedeutet, dass die Spiele ohne Zuschauer, in leeren Hallen hätten gespielt werden müssen. So wird das Ende kalkulierbarer.

 

Der OHV kommt finanziell über die Runden

 

Drei Heimspiele hätten die Auricher noch gehabt. Einnahmen aus zwei Heimspielen aus diesem Jahr sind den Aurichern vorher bereits entgangen. Aus dem am 25. Januar gegen die Rhein Vikings. Der OHV war die erste Mannschaft, die vom sofortigen Rückzug der Vikings betroffen war. Und 14 Tage später machte den Aurichern das Orkantief einen Strich durch das Heimspiel gegen den Leichlinger TV, der aufgrund einer Unwetterwarnung nicht anreiste. Das Spiel sollte im April nachgeholt werden. Drei durch den Saisonabbruch nicht gespielte Heimspiele standen vier Auswärtsspiele gegenüber, die die Auricher noch gehabt hätten. „Die Einnahmen wären deutlich höher gewesen als die Ausgaben, die wir durch die Fahrten gehabt hätten“, sagt Günsel.

„Aber wir kommen zurecht. Klar müssen wir rechnen, aber diese Saison kriegen wir finanziell zu Ende.“ Auch deshalb, weil der Verein Kurzarbeit für die Spieler angemeldet hat. „Alle stehen voll dahinter“, so Günsel. Alle wollten, dass es auch künftig diese Handball-Events in Aurich gibt. Die neue Saison finanziell zu planen, gestaltet sich im Moment vor allem vor dem Hintergrund noch kompliziert, weil nicht klar ist, wann wieder Fans in die Hallen dürfen. Der OHV gehört in der 3. Liga bundesweit zu den Vereinen mit der höchsten Zuschauerquote. „Es gibt zwar noch ganz viele Fragezeichen, die bleiben“, sagt er, „aber wir können jetzt ja wenigstens einen Haken an diese Saison machen und schauen, wie es nächste Saison weitergehen könnte.

 

OHV rückt auf Platz fünf vor

 

Die aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochene Saison 2019/20 wird zum Stichtag 12. März 2020 nach der Quotienten-Regelung gewertet. „Dies steht fest, da im bis Mittwoch laufenden Umlaufverfahren des Bundesrates bereits am Dienstag über 80 Prozent dem Beschluss zugestimmt haben“, heißt es seitens des DHB.

 

Die Pluspunkte werden durch die Anzahl der absolvierten Spiele dividiert. Der ermittelte Wert wird mit 100 multipliziert und auf eine Stelle nach dem Komma gerundet. Danach rückt der OHV vom aktuell achten Tabellenplatz auf Platz fünf vor.

 

Meister ist der Wilhelmshavener HV, der jetzt direkt in die 2. Bundesliga aufsteigt. Eigentlich hätten die Wilhelmshavener am Ende einer „normal“ gespielten Saison Aufstiegsspiele bestreiten müssen.

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Drei Heimspiele hätte der OHV noch absolvieren müssen. Ebenso noch vier Auswärtsspiele. Die Einnahmen wären höher gewesen als die Kosten für die Auswärtsspiele, schätzt Geschäftsführer Lutz Günsel. Archivfoto: Wolfenberg