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OHV-Lazarett sticht Zweitliga-Absteiger aus

Erstellt von Silke Meyer, ON v. 05.09.2011 |

3. Liga: Auricher jubeln nach 24:24 beim VfL Edewecht über gewonnenen Punkt – Verletzter Patrick Anders im Tor überragend

Mit einem Super-Ergebnis kehrte der OHV Aurich zum Saisonauftakt vom Auswärtsspiel beim Zweitliga-Absteiger VfL Edewecht zurück. 24:24 hieß es am Ende. Und alle, Spieler sowie rund 150 mitgereiste Fans, die die Partie akustisch zu einem Heimspiel gemacht hatten, waren sich einig: „Das war ein gewonnener Punkt.“ Hatte sich die personelle Lage doch von bescheiden über schlimmer bis hin zum Supergau entwickelt.

Bescheiden ist die Ausgangssituation grundsätzlich schon, weil nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Holger Eilts mit Patrick Anders nur ein etatmäßiger Torwart zur Verfügung steht. Schlimmer wurde die personelle Lage, als sich mit Kai Behrend im Training ein Spieler am Knie verletzte. Sein Einsatz am Samstag: ausgeschlossen. Der größte anzunehmende Unfall passierte dann am Donnerstag, als sich Anders im Training so schwer verletzte, dass es zunächst schien, als würde der OHV ohne etatmäßigen Torwart antreten müssen. Es kam anders (siehe Extra-Bericht). Und Anders war am Ende derjenige im Team, für den die Fans eine Extra-Feiereinheit einlegten. „Ein Torwart mit einer Effektivität von 60 Prozent, alle Achtung“, war auch VfL-Trainer Arek Blacha von der Leistung des OHV-Schlussmannes beeindruckt.

Aber nicht nur Anders hatte sich durchgebissen. Denn mit dem Anwurf war das Thema Personalsituation nicht beendet. Exakt 8 Minuten und 52 Sekunden später war es wieder akut. Christian Rose, der bis dahin den Angriff mit viel Übersicht gegen eine offensiv ausgerichtete Edewechter Abwehr gelenkt und seine Mitspieler immer wieder in die sich bietenden Lücken geschickt hatte, humpelte vom Spielfeld. „Ich habe einen Schlag aufs Knie bekommen und hatte das Gefühl, es wäre instabil.“ Rose machte und tat in Zusammenarbeit mit der physiotherapeutischen Abteilung des OHV, kehrte in der 25. Minute ins Spiel zurück und versuchte es auch in der zweiten Halbzeit. „Ich konnte mich aber nicht mehr so locker bewegen.“

Und dennoch war Rose ein entscheidender Spieler auf dem Weg zum Erfolg. Nach einem Foul an ihm sah Steffen Köhler in der 49. Minute die Rote Karte. Köhler hatte Rose bereits in der 5. Minute, ungeahndet von den Schiedsrichtern, Rote Karte verdächtig gefoult. 80 Sekunden vor dem Ende antwortete Rose auf das 24:23, der überhaupt erst zweiten Führung der Edewechter in der zweiten Halbzeit, mit dem 24:24.

Zu dem Zeitpunkt saßen zwei eigentliche Leistungsträger der Auricher Mannschaft, Malte Kress und Jan-Uwe Behrends, bereits verletzt auf der Bank. Und das seit längerem. Mit den beiden Nachwuchsspielern Christoph Oldewurtel und Renke de Buhr, einem verletzten Torwart, einem verletzten Rose, einem Henning Padeken, der gegen VfL-Spieler antrat, mit denen er vor wenigen Wochen Deutscher Meister im Beach-Handball geworden war, und der unter seinen Möglichkeiten blieb, steckten die Auricher nie auf. „Nach den Nachrichten im Vorfeld waren wir natürlich im ersten Moment geknickt, haben dann aber gesagt, wir geben alles“, berichtete Rose von einer Jetzt-erst-recht-Stimmung im Team.

Die Auricher ackerten in der Abwehr und verleiteten den VfL, dem nach dem 24:24 des OHV noch genügend Zeit für einen Angriff geblieben war, zum Ballverlust. 40 Sekunden blieben ihnen damit sogar selbst noch für ein (Sieg-)Tor. Als Oliver Arends unter dem Druck des von den Schiedsrichtern signalisierten Zeitspiels aus dem Rückraum hochstieg und abzog, reagierte VfL-Torwart Krzystof Gasiorowski reflexartig und lenkte den Ball nach dem strammen Wurf mit dem Oberarm ins Aus. Und 60 Spielminuten waren vorbei.

Während OHV-Trainer Dusko Bilanovic strahlte und zufrieden mit dem Punkt war, blickte Blacha bedröppelt drein: „So nervös habe ich meine Mannschaft noch nie gesehen. Ich habe mich gefragt, ob wir überhaupt trainiert haben.“ Er nahm es auf seine Schultern, dass es ihm nicht gelungen war, dem Team die Nervosität zu nehmen. Blacha war froh, noch einen Punkt geholt zu haben: „Es kann nur besser werden.“

Personell trifft das auch auf den OHV zu. Spielerisch waren die Auricher einem schwerfällig wirkenden VfL ohne Ideen, der vor allem in der ersten Halbzeit von Abspielfehlern der Auricher profitierte, aber überlegen. Das mehr für den OHV möglich gewesen wäre, spielte am Ende keine Rolle. Alle freuten sich nach den widrigen Umständen riesig über einen Punkt.

VfL Edewecht: Haverkamp, Gasiorowski, Bröckerhoff; J. Köhler (1 Tor), Bitter (2), Heisig (3), Weihrauch (4/3 Siebenmeter), de Raad (2), Redeker (1), St. Köhler (2), Wolterink (7), Schröder (2), Blums, Buyny.

OHV Aurich: Anders, Panzer; Arends (4), de Buhr (2), Kress (3), Rose (2), Behrends (1), Brandt (2), Seidler (3), Padeken (6/3).

Zeitstrafen: VfL 18 Minuten - OHV 8 Minuten.

Rote Karte: Steffen Köhler (49. Minute).

Siebenmeter: VfL 3/3 verwandelt - OHV 4/3 verwandelt.

Schiedsrichter: Mustafa und Murat Aslandag (Duisburg).

Zuschauer: 500.

Torfolge: 2:3 (5. Minute), 6:4 (12.), 10:7 (20.), 10:10 (22.), 12:10 (24.), 12:15 (30.), 13:15 (30.); 16:16 (38.), 19:20 (48.), 19:22 (53.), 23:22 (57.), 24:23 (59.), 24:24 (59.).

Ðer verletzte und nicht einsatzfähige OHV-Torwart Holger Eilts war einer der ersten, der Patrick Anders zu einer Glanzleistung gratulierte. Foto: Wolfenberg
 

Nächstes Heimspiel

2. Herren: Mit FAN BUS zum Auswärtsspiel

Erster gg. Zweiten

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